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Stundensatz berechnen als Handwerker — So kalkulierst du richtig

Stundensatz berechnen als Handwerker — So kalkulierst du richtig

Viele Handwerker kalkulieren ihren Stundensatz zu niedrig. Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Rechenbeispiel für den profitablen Stundensatz.

Ratgeber26. Februar 2026

Stundensatz berechnen als Handwerker — So kalkulierst du richtig

„Was kostet die Stunde?" — diese Frage hört jeder Handwerker regelmäßig. Und viele antworten mit einer Zahl, die sich „irgendwie richtig anfühlt", aber nie sauber kalkuliert wurde. Das Ergebnis: Am Ende des Jahres bleibt weniger übrig als gedacht — obwohl man den ganzen Tag geschuftet hat.

In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du deinen Stundensatz Schritt für Schritt berechnest. Mit einer echten Formel, allen Kostenfaktoren und einem konkreten Rechenbeispiel aus einem SHK-Betrieb.

Warum viele Handwerker zu wenig verlangen

Das Problem ist weit verbreitet: Laut einer Studie des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) kalkulieren rund 40 % aller Handwerksbetriebe ihren Stundensatz zu niedrig. Die häufigsten Fehler:

  • Nur den Bruttolohn als Basis nehmen — und die Lohnnebenkosten vergessen
  • Gemeinkosten unterschätzen — Werkstatt, Fahrzeuge, Versicherungen, Buchhaltung
  • Unproduktive Zeiten ignorieren — Fahrtzeit, Angebotserstellung, Verwaltung
  • Keinen Gewinnzuschlag einrechnen — „Hauptsache, die Kosten sind gedeckt"
  • Am Wettbewerb orientieren statt an den eigenen Kosten — „Der Müller nimmt 55 Euro, dann nehm ich 52"

!WARNINGAchtung: Ein zu niedriger Stundensatz ist kein Wettbewerbsvorteil — er ist ein schleichender Weg in die Insolvenz. Wer unter Selbstkosten arbeitet, macht mit jedem Auftrag Verlust.

Die Formel: So berechnest du deinen Stundensatz

Die Grundformel ist einfach:

Stundensatz = (Personalkosten + Gemeinkosten + Gewinn) ÷ Produktive Stunden

Klingt simpel, aber der Teufel steckt in den Details. Schauen wir uns jeden Bestandteil an.

1. Personalkosten (pro Mitarbeiter)

Die Personalkosten umfassen weit mehr als nur den Bruttolohn:

PostenBeispiel (Geselle, 20 €/h brutto)
Bruttolohn3.467 €/Monat (bei 173,3 Std.)
Arbeitgeberanteil Sozialversicherung (~21 %)~728 €
Berufsgenossenschaft (~3-6 %)~140 €
Urlaubsgeld, 13. Gehalt (umgelegt)~290 €
Arbeitskleidung, Fortbildung~100 €
Gesamt Personalkosten~4.725 €/Monat

Die Personalkosten liegen also rund 36 % über dem Bruttolohn. Wer nur den Bruttolohn kalkuliert, hat schon verloren.

2. Gemeinkosten (Betriebskosten)

Alle Kosten, die nicht direkt einem Auftrag zugeordnet werden können:

  • Werkstatt/Büro: Miete, Strom, Heizung, Internet
  • Fahrzeuge: Leasing, Versicherung, Kraftstoff, Wartung
  • Werkzeug: Anschaffung, Reparatur, Ersatz
  • Versicherungen: Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung
  • Verwaltung: Steuerberater, Software, Büromaterial
  • Marketing: Website, Anzeigen, Firmenwagen-Beschriftung

!TIPTipp: Rechne deine gesamten Betriebskosten aus dem letzten Jahr zusammen und teile sie durch die Anzahl deiner produktiven Mitarbeiter. So bekommst du die Gemeinkosten pro Kopf.

3. Produktive Stunden — Die unterschätzte Größe

Hier liegt der größte Fehler vieler Kalkulationen. Ein Mitarbeiter hat zwar rund 1.740 Arbeitsstunden im Jahr (52 Wochen × 5 Tage × 8 Stunden, minus Feiertage), aber davon sind längst nicht alle produktiv und verrechenbar:

AbzugStunden/Jahr
Urlaubstage (30 Tage)-240 Std.
Krankheitstage (ø 12 Tage)-96 Std.
Feiertage (ø 10 Tage)-80 Std.
Fortbildung (5 Tage)-40 Std.
Anwesenheitsstunden~1.284 Std.
Fahrtzeit (~15 %)-193 Std.
Verwaltung, Rüstzeit (~10 %)-128 Std.
Produktive (verrechenbare) Stunden~963 Std.

Von den theoretischen 2.080 Jahresstunden bleiben also nur rund 960–1.000 produktive Stunden übrig. Das ist weniger als die Hälfte.

4. Gewinnzuschlag

Dein Betrieb soll nicht nur überleben, sondern wachsen. Ein Gewinnzuschlag von 10–15 % auf die Selbstkosten ist das Minimum. Davon finanzierst du Investitionen, baust Rücklagen auf und sorgst für schlechte Zeiten vor.

Rechenbeispiel: SHK-Betrieb mit 5 Mitarbeitern

!EXAMPLERechenbeispiel: Meister Müller, SHK-Betrieb, 5 Gesellen

PostenPro Geselle/Jahr
Personalkosten (inkl. Nebenkosten)56.700 €
Gemeinkosten (anteilig)18.000 €
Selbstkosten pro Geselle74.700 €
Gewinnzuschlag (12 %)8.964 €
Gesamtkosten pro Geselle83.664 €
Produktive Stunden970 Std.
Stundensatz (Netto)86,25 €

Meister Müller muss also mindestens 86 € netto pro Stunde verlangen, um seine Kosten zu decken und einen bescheidenen Gewinn zu erzielen. Inklusive MwSt. sind das 102,44 € — eine Zahl, die vielen Handwerkern hoch vorkommt, aber mathematisch zwingend ist.

Häufige Fehler bei der Stundensatz-Kalkulation

Fehler 1: Eigene Arbeitszeit nicht einrechnen

Als Meister und Inhaber arbeitest du mit auf der Baustelle — aber auch deine Stunden müssen kalkuliert sein. Wenn du 50 % auf der Baustelle bist und 50 % im Büro, dann ist nur die Hälfte deiner Zeit produktiv und muss über die Gemeinkosten auf die anderen Mitarbeiter umgelegt werden.

Fehler 2: Materialkosten mit dem Stundensatz vermischen

Der Stundensatz deckt nur die Arbeitszeit ab. Material wird separat kalkuliert und dem Kunden zusätzlich berechnet — idealerweise mit einem Aufschlag von 10–25 % für Handling, Lagerhaltung und Beschaffungsaufwand.

Fehler 3: Keine regelmäßige Nachkalkulation

Kosten steigen. Löhne steigen. Spritpreise steigen. Wer seinen Stundensatz einmal vor fünf Jahren berechnet hat und nie angepasst hat, arbeitet heute wahrscheinlich unter seinen Kosten. Kalkuliere mindestens einmal im Jahr neu.

!TIPTipp: Erfasse die Arbeitszeiten deiner Mitarbeiter digital — mit Projektbezug. So siehst du nach jedem Auftrag, ob deine Kalkulation aufgegangen ist oder ob du nachsteuern musst.

Stundensatz kommunizieren — So überzeugst du Kunden

Ein hoher Stundensatz schreckt Kunden ab? Nicht unbedingt. Die meisten Kunden verstehen, dass Qualität ihren Preis hat — wenn du es richtig kommunizierst:

  1. Transparenz: Erkläre, was im Stundensatz enthalten ist (Anfahrt, Werkzeug, Versicherung, Gewährleistung).
  2. Festpreise anbieten: Viele Kunden bevorzugen Festpreise. Kalkuliere intern mit deinem Stundensatz, biete dem Kunden aber einen Pauschalpreis an.
  3. Qualität betonen: „Wir machen es einmal richtig" ist mehr wert als „Wir sind der Günstigste".
  4. Nachkalkulation zeigen: Wer seinen Kunden zeigen kann, dass die kalkulierten Stunden eingehalten wurden, baut Vertrauen auf.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist der durchschnittliche Stundensatz im Handwerk?

Das variiert stark nach Gewerk und Region. Grobe Richtwerte (netto, 2026):

  • Maler: 55–70 €
  • Elektriker: 65–85 €
  • SHK: 75–95 €
  • Schreiner: 65–85 €
  • Dachdecker: 70–90 €

Diese Werte sind Durchschnitte. Dein individueller Stundensatz kann darüber oder darunter liegen — entscheidend ist deine eigene Kalkulation.

Sollte ich Fahrtkosten separat berechnen?

Ja, idealerweise. Entweder als Anfahrtspauschale (z. B. 30–50 €) oder als Kilometerpauschale. Fahrtzeit ist keine produktive Zeit und sollte nicht stillschweigend im Stundensatz versteckt werden.

Was mache ich, wenn Kunden meinen Stundensatz zu hoch finden?

Rechne transparent vor, was alles im Stundensatz enthalten ist. Oft hilft auch der Vergleich: „Ein Geselle kostet mich mit allen Nebenkosten über 4.700 Euro im Monat — das muss über die verrechenbaren Stunden reinkommen."

Wie oft sollte ich meinen Stundensatz anpassen?

Mindestens einmal pro Jahr, idealerweise im Januar. Berücksichtige dabei Tariferhöhungen, gestiegene Betriebskosten und die Inflation.

Fazit — Kenne deine Zahlen

Dein Stundensatz ist die wichtigste Zahl in deinem Betrieb. Wenn sie stimmt, verdienst du Geld. Wenn sie zu niedrig ist, arbeitest du für umsonst — egal wie viele Aufträge du hast.

Nimm dir einen Nachmittag Zeit, rechne alles durch und passe deine Preise an. Dein Betrieb wird es dir danken.


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Zuletzt aktualisiert: Februar 2026 · 10 Min. Lesezeit · Ratgeber

Quellen und Rechtsgrundlagen:

  • Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) — Betriebswirtschaftliche Kennzahlen
  • HWK-Kalkulationshilfen für Handwerksbetriebe
  • § 632 Abs. 2 BGB — Übliche Vergütung
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Werkstatt-Ratgeber Redaktion

Fachredaktion — geprüft und aktualisiert

Geprüft am 26. Februar 2026

Quelle: werkstatt-ratgeber.de/ratgeber/stundensatz-berechnen-handwerker